03. 06

Ich war heute das erste mal seit dem Tod meiner Groszmutter (vor ueber einem halben Jahr) in ihrere Wohnung:
Hallo Omi!

Ich war heute das erste mal seit deinem Tod in deiner Wohnung. Dabei bekam ich das Beduerfniss, dir nochmal einen letzten Brief zu schreiben. Leider ist es nun fuer dich zu spaet, um ihn zu lesen.

Irgendwie ist deine Wohnung auf ihre eigene Art einzigartig. Irgendwie hat sich meine komplette Perspektive geaendert, was ich frueher als kitschig oder zu "Omihaft" abgelehnt habe ist nun ein Teil der Erinnerungen an dich und bekommt damit gleich einen voellig anderen Wert. Kurz vor dem Eingang ins Wohnzimmer rechts an der Wand, an der fruher Bilder von deinen Kindern und Enkeln hingen, an denen du taeglich vorbei gingst und sie somit staendig im Blick hattest, stehen nun nur noch ein paar schwarze Naegel aus der Wand, fuer mich fast schon wie ein Vorwurf. Und in ein paar Wochen werden selbst diese Verschwunden sein.

Im Nachhinein tut es mir leid, dass ich fuer dich die letzten Jahre so wenig da war. Du hast mir die ganze Zeit ueber viel mehr bedeutet als ich es dir gezeigt habe oder zeigen koennte. Wieso ist an dieser Stelle egal, ich bitte dich einfach es so zu akzeptieren.

Als du nach deiner Operation im Krankenhaus gelegen bist, wollte ich eigentlich immer bei dir vorbeischauen, um dir etwas vorzulesen. Du fandest meine Stimme immer so toll, oder um es in deinen Worten auszudruecken, ich habe einen "schoenes Organ&qout;. Ich hatte gehofft so in allerletzer Minute docheinmal fuer dich dasein zu koennen. Aber dann habe ich die Frage, was ich dir vorlesen soll, temporaer zur Seite geschoben, und dieses temporaer war schon zu kurz.

Es ist erstaunlich, wie mit dem Ende des Lebens auch die Privatsphaere endet. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich es im ersten Moment als voellig normal empfand, in jeden deiner Schraenke zu schauen. Einerseits denke ich, dass jeder deiner Gegenstaende der irgendwo weiterlebt dort sinnvoller untergebracht ist als auf dem Muell. Andererseits nimmt dieses "Pluendern" deiner Wohnung ihre Einzigartigkeit, diese Gesamtkompisition wird nun ueber Dossenheim und Karlsruhe verstreut, um mit dem Ausziehen meiner Geschwister und Miriam sich noch weiter zu verteilen.

Genauso wie die materiellen Ueberreste deines Lebens sich ueber die Welt verteilen wird wohl auch die Trauer und die Erinnerung an dich immer diffuser. Aber vergessen werde ich dich nie!

Wie gerne haette ich dich zum Abschied noch eimnal kraeftig umarmt!

In Liebe
dein Enkel Moritz

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Kommentare

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nur...warum stellst du das ins netz? *wunder*
grüße von einer gerührten, schniefenden mareike
#1 die schwester am 03.06.2006 03:19
Hmmm wieso ich das ins Netz stelle, das habe ich mich am Anfang auch gefragt. Vielleicht ist es irgendwo das Beduerfniss, wenn ich es ihr schon nicht zeigen konnte, es dadurch dass ich es dem Rest der Welt zeige, ein bisschen wieder gut machen oder zumindest fuer mich eine Hilfe es zu akzeptieren.
#1.1 mømø (Homepage) am 03.06.2006 03:23
*mal mitschnief*
hach, momo ... das wird schon wieder, die trauer wird wohl nie vergehen, aber irgendwann abschwächen und dann denkst du nur noch an die schönen momente mit deiner oma und das sie (davon gehe ich mal aus) ein erfülltes leben hatte, wozu du sicher auch deinen teil beigetragen hast...

*ganz lieb drüggs* deine pia
#2 das weipi am 05.06.2006 14:26
Im Nachhinein fällt einem immer sovieles ein, was man hätte anders machen könne, wie es hätte besser laufen können. Ich denke mittlerweile: Wenn du die Sachen geschafft hättest die du dir jhetzt vorwirst, dann hättest du im Nachhinein wieder andere Sachen gefun den die du dir vorwerfen kannst.

Vielleicht sollte man sich für den Rest seines Lebens überlegen, ob man in sich hineinhorcht um zu prüfen was man will, was man für richtig hält und was man tun wird. Vielleicht kann man dann irgendwann sagen ich hab mir eigneltnich nichts vorzuwerfen.

ICh kann deine Gedanken nachvollziehen. Es wird diir nichts helfen, musst ja selber damit klar kommen, aber ich denke es is ein guter schritt dass du nochma einen Brief an deine Oma geschrieben hast. Hilft der Verarbeitung enorm ;)

lg kadda
#3 kadda (Homepage) am 06.06.2006 22:10

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